Die Gründung

Auf Initiative des Studentenwerks Göttingen gründete eine Gruppe Singfreudiger unter der Leitung von Joachim „Jogi“ Böse im Sommer 1991 einen Rock&Pop-Chor, der kurze Zeit später den Namen Unicante erhielt. Nach einem unerwartet großen Andrang von Interessierten gleich in den ersten Proben standen bei den ersten Sommernachtskonzerten 1992 rund sechzig Sängerinnen und Sänger auf der Bühne des Jungen Theaters Göttingen. Seit dieser Zeit hat sich die Zahl der Mitglieder fast verdreifacht, und Unicante kann heute als der wohl größte studentische Rock- und Pop-A-cappella-Chor Deutschlands bezeichnet werden.
Anfangs fanden die wöchentlichen Proben im Foyer der Zentralmensa, später dann in der Aula am Waldweg statt. Die Konzerte wurden im zweiten Jahr in den Kinosaal am Wilhelmsplatz verlegt. Dort wurden bis vor einigen Jahren auch die Proben abgehalten. Nach der Schließung der Mensa am Wilhelmsplatz musste Unicante schließlich umziehen und probt nun im Speisesaal West der Zentralmensa; die Konzerte waren 2013 und 2014 wieder in der Aula am Waldweg. Seit 2015 finden die Sommernachtskonzerte im Foyer der Zentralmensa statt. Über all diese Ortswechsel hinweg zeigt sich die große Nähe des Chores zum Campus und den Studierenden, wobei auch einige Berufstätige bei Unicante mitsingen.

Dem studentischen Leben angepasst

Von Anfang an folgt Unicante dem Puls der Universität: Zum Beginn des Wintersemesters im Oktober werden neue Sängerinnen und Sänger aufgenommen, und im Sommersemester (Ende Juni/ Anfang Juli) finden die großen Sommernachtskonzerte statt, bei denen das einstudierte Programm präsentiert wird. Im Frühjahr – einige Wochen vor den Konzerten – findet die allseits beliebte Chorfahrt statt. Während die ersten Fahrten den Chor nach Melle bei Osnabrück führten, zog sich Unicante danach viele Jahre jeweils für ein paar Tage nach Langeleben im Elm zurück. Seit 2013 ist Helmarshausen am Reinhardswald Ziel der Chorfahrt. Vier Tage lang wird intensiv geprobt, und in den Pausen sowie an den Abenden kommt das gesellige Miteinander nicht zu kurz.
Schon bei den ersten Konzerten – die traditionell einmal im Jahr stattfinden – gab es ein größeres „Projekt“, das einen Teil des Programms ausmachte. Im ersten Jahr bildete so „Die Vogelhochzeit“ das zentrale Thema, später folgten Musicals und Musikfilme wie zum Beispiel „Blues Brothers“ oder „Dirty Dancing“. Als Jogi Böse im zweiten Jahr mit Maske und Umhang bekleidet die Stücke aus „Das Phantom der Oper“ dirigierte, ahnte er sicher nicht, was sich daraus entwickeln würde: Seit mittlerweile vielen Jahren stehen nicht nur der Dirigent, sondern auch die Sängerinnen und Sänger in der zweiten Hälfte des Konzertes mit zum Teil sehr aufwendigen, selbstgefertigten Kostümen auf der Bühne, die zum Thema des jeweiligen Chorjahres passen. Seit etwa 2005 haben sich die Ansagen zu den Liedern der Themenhälfte zu szenischen Darbietungen entwickelt. Häufig werden die Lieder dabei in eine fortlaufende Handlung eingebunden, und im Wechsel zu den musikalischen Nummern wird ein kleines Theaterstück aufgeführt.
Unter den drei aufeinander folgenden Konzerten nimmt das Montagskonzert eine Sonderstellung ein: Chorleiter und Sänger spielen sich gegenseitig kleine Streiche. Diese Theatertradition der „Dernierenscherze“ kam (wie schon die Kostümierung) durch den ersten Chorleiter zu Unicante. Dieser hatte zuvor unter anderem die Musik zu Stücken des Göttinger Theaters im OP geschrieben.
Das Repertoire von Unicante war von Beginn an sehr vielfältig, aber nie klassisch. So wurden, neben bekannten Rock- und Popsongs, zum Beispiel auch vertonte Gedichte gesungen. Ein Großteil dieser Stücke war immer selbst arrangiert; seit Anfang der 2000er kann Unicante gänzlich auf „eingekaufte“ Arrangements verzichten.

Weiteres Wachsen

Auf Jogi Böse, der den Chor bis 1995 leitete, folgten viele weitere Chorleiterinnen und Chorleiter, die diese Aufgabe neben ihrem Studium oder Beruf wahrnahmen und zuvor selbst mitgesungen hatten. Während es anfangs ausschließlich Gesamtproben gab, teilt sich der Chor heute für einen Teil der Zeit in die einzelnen Stimmgruppen auf, die dann unter der Leitung von Stimmgruppenleitern separat proben. Von Anfang an wurde der Chorleiter bei der Organisation beispielsweise der Chorfahrt von Sängerinnen und Sängern unterstützt. Seit 2005 gibt es zur besseren Koordination dieser Aufgaben das sogenannte „Orga-Team“, das für die „nichtmusikalische“ Organisation verantwortlich ist.
Abgesehen von den jährlichen Sommernachtskonzerten gibt es zwar keine regelmäßigen Shows, allerdings hat Unicante zu verschiedenen Anlässen immer wieder mal kleinere Auftritte – bei Fakultätsfeiern, bei der Nacht der Kultur, der KUNST-Gala, Pop Meets Classic und anderen Gelegenheiten hatte der Chor bereits das Vergnügen, mitzuwirken.
Im Sommer 2007 gab es zum ersten Mal in der Geschichte von Unicante ein zusätzliches „großes“ Konzert. Dabei handelte es sich um ein gemeinsames Projekt mit der A-cappella-Gruppe Maybebop in der Stadthalle Göttingen. Dieses Experiment fand großen Anklang, sowohl beim Publikum als auch bei den Sängerinnen und Sängern, und wurde danach gelegentlich wiederholt (neben Maybebop auch mit muSix und dem schwedischen Ensemble Kraja).

Unicante in anderen Projekten

Aus Unicante heraus entstanden über die Jahre immer wieder kleinere A-cappella-Ensembles. So formierte sich etwa „achorat“ unter Mathias Engelke, der Unicante zuvor 2 Jahre geleitet hatte. 2005 gründeten der bisherige Chorleiter Jan Kristof Lüders mit fünf weiteren Unicantlern die A-cappella-Band „Klick’nwirtschaft“. „ProCant“, 2005 als Projektchor für geistliche Chormusik unter der Leitung von Stephan Diedrich gegründet, der zuvor einige Jahre aktives Mitglied bei Unicante war, hat sich mittlerweile einen festen Platz in der Göttinger Chorlandschaft ersungen. Noch immer gibt es mehrere Personen, die in beiden Chören aktiv sind.

Die Chorleitungen von Unicante